„King Pin” von der Brewdog Brewing Co.

Oktober 4, 2022

Die Brauerei Brewdog ist weltweit bekannt für provozierende Auftritte und rebellisches Image. Gegründet wurde die schottische Craft-Stätte 2007 von James Watt und Martin Dickie. In kürzester Zeit schafften es die jungen Brauhunde durch ungewöhnliche Guerilla-Marketingaktionen und der Botschaft „Experimentation is our Art – Revolution is our weapon“ ihre unkonventionellen Biere bekannt zu machen. Im Gründungsjahr waren die Schotten nur zu zweit. Vor drei Jahren stand ich selbst einmal vor der Brauerei in der Nähe von Aberdeen. Damals wurde dort zwar schon gebraut, aber vor den Toren standen noch Bagger und Bauschutt. Der erste Gedanke war: Wow, das wird ganz schön gigantisch. Heute zählen Watt und Dickie rund 540 Mitarbeiter, produzieren etwa 130.000 Hektoliter und 44 Brewdog-Bars rund um den Globus, mit steigender Tendenz. Und: die wohl größte unabhängige Brauerei im Land der Single Malt Whiskys räumt jedes Jahr kräftig Medaillen bei internationalen Bier-Awards ab.
Heute haben wir ihr „King Pin“ mit 4,7 Prozent Alkohol im Glas. Gebraut ist es mit Pilsner-, Münchner- und Karamell-Malz sowie den Hopfensorten Saazer, Columbus und Hallertauer Hersbrucker. Die Schotten sagen selbst: „Das ist nichts Fassgereiftes, nichts was in einem Tierkörper, einer Karkasse, verpackt ist, sondern einfach nur ein Lager.“ Schauen wir mal.

Aussehen:
Unkonventionelles Design gehört für die Schotten zum Image. Wenn man sich das Etikett von „King Pin“ anschaut, bekommt man auf jeden Fall schon Durst. Die Brauhunde verstehen was von Optik. Im Trinkgefäß glänzt das untergärige Bier in einem filtrierten Goldgelb. Als Topping sitzt ein feinporiger, fast cremiger Schaum obenauf.

Geruch & Geschmack:
Schon im Geruch wird klar: Hierbei handelt es sich um kein herkömmliches Pils. Ein verwobenes Bukett aus süßlich-malzigen Noten mit fruchtigen Nuancen von Mirabelle, reife Traube, Birne und Orange strömt in die Nase. Der Geruch ist aber keinesfalls zu überladen, sondern wirklich überraschend. Im Antrunk malzig-süß. Das Mundgefühl dann vollmundig und dezent erfrischend. Ich wünsche mir etwas mehr Kohlensäure, damit das Bier noch frischer am Gaumen perlt. Im Aromaspiel ist das moderne Pils wieder schön fruchtig. Noten von Orange und Mirabelle kombinieren sich mit einer gewissen Würze. Im Finish zeigt sich noch ein pfeffriger Touch. Besonders herb ist es mit 40 Bittereinheiten nicht. Also ein super Bier für Genießer, die es nicht so herb wie in einem India Pale Ale mögen, sich aber nach einer angenehmen Fruchtigkeit sehnen. „King Pin“ ist wirklich mal ein sehr innovatives Pilsner. Brewdog macht seinem Image mal wieder alle Ehre, und das ist sicherlich nicht „nur“ ein Lager.

Hintergrund:
Das Bier heißt „King Pin“, darunter steht allerdings „21st Century Pilsner“ – mag den ein oder anderen vielleicht etwas verwirren. Bedeutet aber einfach nur, dass es sich hierbei um ein modernes Pilsner handelt. Denn gerade in Großbritannien zählen zu der Bezeichnung „Lagerbier“ eigentlich alle untergärigen Sorten der Insel, so eben auch das Pils.

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