Deutsche Bierstile, Teil 2

Juni 15, 2021

Das Weizenbier, auch Weißbier genannt, ist der populärste obergärige Bierstil in Deutschland. Die ersten Weizenbiere wurden bereits von den Sumerern vor über 5.000 Jahren gebraut. Dazu formten sie Teigfladen aus Weizen und anderen Getreidearten, welche geröstet, eingeweicht und  durch (in der Luft herumschwebender Wildhefen und Milchsäurebakterien) vergoren wurden.
Mit den Weizenbieren wie wir sie heutzutage kennen hatte dieses frühzeitliche Urbier jedoch wenig zu tun. Deren Geschichte begann erst Mitte des 16. Jahrhunderts in Bayern. Das Reinheitsgebot von 1516 verbot das Brauen mit anderen Getreidesorten als Gerste, insbesondere Weizen da es als Nährgetreide galt und lediglich zum Backen von Brot dienen sollte.  Einem Adeligen wurde jedoch das Recht Weizenbier zu brauen gestattet, dem Freiherrn von Degenberg. Diese Entscheidung des bayerischen Herzogs Wilhelm IV. war durchaus politisch geprägt und sollte die Degenberger näher an das Herzogtum binden. Nach Aussterben des Geschlechts von Degenberg im Jahre 1602 übernahmen die regierenden Wittelsbacher das sogenannte bayrische Weißbiermonopol und nutzten die Gewinne aus der stetig wachsenden Nachfrage nach Weißbier um ihren Staatshaushalt zu finanzieren. Bis zum Jahre 1798 wurde das Weißbiermonopol aufrechterhalten ehe es jedermann erlaubt wurde Weizenbier zu brauen.
Das Weizenbier enthält einen Weizenmalzanteil von mindestens 50%. Der restliche Anteil ist Gerstenmalz. Zudem ist es goldgelb in der Farbe und weißt eine gleichmäßige Trübung auf. Ein ausgeprägtes Nelken- und Bananenaroma ist charakteristisch für diesen Stil. Bei dunklem Weißbier kommen aufgrund des dunkleren Malzes noch karamellige Geschmacksnoten hinzu. Mit 11 bis 14° Plato, haben diese Biere einen Alkoholgehalt zwischen 5 und 6 Vol.-%. Zudem sind Weizenbiere nur gering herb. Dementsprechend liegt die Bittere lediglich zwischen 10 und 20 Bittereinheiten. Helles Weißbier gibt es zusätzlich in einer blank filtrierten Version, diese wird „Kristallweiße“ genannt.

Vitus von der Brauerei Weihenstephan (Quelle: Weihenstephaner)

Vitus von der Brauerei Weihenstephan (Quelle: Weihenstephaner)

Doch nicht nur in Bayern gibt es mit Weizenmalz gebrautes Bier. Ebenfalls bekannt ist die Berliner Weiße, welche ihren Ursprung wohl ebenfalls im 16. Jahrhundert hat. Neben dem obergärigen Hefestamm saccharomyces cerevisiae werden hier zusätzlich Milchsäurebakterien und der Wildhefestamm Brettanomyces zur Gärung eingesetzt. Dies gibt dem Bier eine säuerliche und zugleich erfrischende Note. Von auf dem Durchmarsch befindlichen Truppen Napoleons erhielt die Berliner Weiße den Spitznamen „Champagner des Nordens“. Die Farbe ist ebenfalls goldgelb, jedoch ist dieses Bier ein wenig klarer als sein bayrisches Pendant. Die Stammwürze liegt bei diesem Stil zwischen 9 und 14° Plato bei einem vergleichsweise geringen Alkoholgehalt zwischen 2,5 und 3,5 Vol.-%. Ebenfalls gering fallen die Bittereinheiten aus. Diese liegen nur zwischen 3 und 7. Auch die belgischen Nachbarn wissen mit Weizen beim Brauen umzugehen. Ebenfalls im 16. Jahrhundert entstand dort im Herzogtum Brabant das Witbier. Im Gegensatz zu deutschen Weißbieren, enthält Witbier neben dem zum Brauen obligatorischen Gerstenmalz und dem Weizenmalz auch rohen Weizen. Zudem werden diesen Bieren zusätzlich Orangen und Gewürze wie beispielsweise Koriander hinzugegeben. Somit sind sie durch eine Fruchtigkeit und deutliche Gewürznote geprägt. Obwohl die Bittereinheiten nur zwischen 10 und 20 liegen, schmeckt dieser Stil herber als seine deutschen Verwandten. Die Stammwürze rangiert zwischen 11 und 12,5° Plato; der Alkoholgehalt zwischen 4,5 und 5,5 Vol.-%.

Empfehlungen sind “Der Weizen” von Tilman´s Biere, der Weizenbock “Vitus” der Weihenstephaner Brauerei, das Gipfelglück” von Hopfmeister oder das “Citrilla Weizen IPA” von Maisel & Friends.

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