Bryan France von Yankee & Kraut

Bryan France ist 32 Jahre und kommt aus Reno, Nevada. Seit vielen Jahren lebt er schon in Bayern und schon immer ist Bryan begeisterter Hobbybrauer gewesen. Mit 18 fing er an in Nevada in der Garage Bier zu brauen und das bevor er überhaupt legal Bier trinken durfte. Die Liebe 14207624_1693436114314793_5338981316151314637_osorgte dafür, dass Bryan, der die letzten Jahre als Lehrer in Ingolstadt tätig war, in Bayern geblieben ist und hier geheiratet hat. Wiederum die Liebe, diesmal zum Bier, sorgte dafür der er vor 1,5 Jahren diese Liebe wieder aufleben ließ. Er startete an der TU München in Weihenstephan den neu eingerichteten und berufsbegleiteten Modulstudiengang „Brauwesen“ und sattelt diesen nun auf seinen Bachelor in Biologie, welchen er aus den USA mitbrachte, auf.

Im letzten Jahr nahm Bryan dann am Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel der TUM teil und kam mit seinem Imperial Pale Lager „Hopulenz“  ins Finale. Motiviert und angetrieben von seiner neu aufgeflammten Brauleidenschaft startete er neben dem Studium seine Start-Up Brauerei „Yankee & Kraut“. Mit seinem Kumpel Max braut er seit einigen Monaten Bier und hat neben der „Hopulenz“ auch das „Eden Pale Ale“ und die „Sommerfinsternis“ im Programm. Yankee & Kraut braut beim Brauhaus Binkert in Breitengüßbach.

Wie würdest Du dich in 3 Sätzen jemanden vorstellen der Dich noch nicht kennt?

Servus, bin da Bryan. Ich mag Bier, ich trinke Bier und ich braue Bier.  Aber wer mich kennenlernen will, soll sich was einschenken lassen und sich neben mich hocken.

Was fasziniert dich so an Bier?

Bier hat mich, erstaunlicherweise, einfach mit seiner Vielfalt fasziniert.  Seitdem ich das erste Mal etwas halbwegs Gutes probiert hatte, wollte ich ALLES probieren. Mittlerweile habe ich übertrieben viel probiert und will jetzt, was davon fehlt, selber brauen.

14231863_1693436124314792_3318804515171178073_oWie sind deine Brauversuche denn so verlaufen?

Ich habe gebraut und schon öfter ein paar Fehler gemacht. Ich habe weiter gebraut, alles ernst genommen, etwas gutes erschaffen und weniger Fehler gemacht. Jetzt bin ich perfekt und mein Bier ist geiler als Borat in seinem Borat-Anzug am Strand 😛 

Nein, nein, das Bier ist schon gut, aber perfekt wird es nie sein. Wenn man vermutet, dass sein Bier perfekt oder das „Beste“ überhaut ist, dann ist er schon auf’m weg zu Sterben.

Nun, da sind wir uns einig. Kein Bier ist perfekt. Wie braust Du dann deine Biere?

Brauen ist ein bisschen wie kochen, man braucht eine Grundidee, viel Kreativität und Know-How um etwas g’scheids zu brauen. Know-How kann aber manchmal auch gegen Glück getauscht werden…

Am besten brauche ich aber mit etwas Zeitdruck und Lust auf etwas neues, dann hocke ich mich hin und mache ein Rezept. Ein neues Rezept muss für mich genau das sein – „neu“  – und zwar komplett neu.

Was war das krasseste was Du je getrunken hast?

14352199_1700241646967573_5292818465094806811_oIch habe so viele abgefahrene Biere probiert, ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Aber etwas Abgefahrenes und köstliches kommt seltener vor, als einfach „nur verrücktes Zeug“. Deswegen für mich ist das Harvest Ale aus Sparks, NV in den USA der Gewinner. Es schmeckt wie Nevada in einem Glas. Wacholderbeeren, Sagebrush (Wüsten-Beifuß) und Pinienkerne sorgen für einen besonderen Geschmack. Echt abgefahren, aber auch ein abgefahren gutes Bier.

Apropos USA. Was denkst Du, als Ami, ist „Craft-Bier“? Wird ja viel diskutiert, vor allem in Deutschland…

Ich weiß was „Craft“ in den USA ist und bedeutet. Ich freue mich aber, dass Leute in Deutschland langsam verstehen, dass es nicht nur um „handgemachtes Bier“ geht, sondern um die Experimentierfreudigkeit und grenzlose Vielfalt die man erzeugen kann.

Welche Brauer schätzt Du dann besonders?

Die die ich am meisten schätzte sind die die mir eine ehrliche Meinung geben, lustig sind und nie denken, dass die alles schon wissen.  Es gibt kaum was Besseres als ein Gespräch unter Brauern beim Biertrinken. 

14568031_1711091819215889_3540675641907756058_nWas sagst du zu Reinheitsgebot? Bzw. was sind für dich No-Gos, Stichwort „Bart-Hefen“?

„No-Gos“ sind für mich nicht nur der unnötigen Schmarrn wie diese Hefen vom Bart oder aus den Bandagen des Tutanchamuns, sondern auch die Benutzung von Röstmalzbier um die Farbe einzustellen und vieles mehr. Wenn es um reines Bier geht, soll es auch genau so bleiben, aber nicht unbedingt im Sinne des Reinheitsgebots. Bier soll nur mit natürlichen Zutaten gebraut werden, aber auch mit allem was natürlich ist, gebraut werden dürfen.  Für mich ist das Reinheitsgebot, so wie es im vorläufigen Biergesetz steht, auch ein “No-Go”.

Was denkst Du wird der neue Trend sein in der Craft-Bier-Szene im deutschsprachigen Raum?

Hopfen werden den Markt der Craftbier-Szene mittelfristig anführen.  Biere abseits des Reinheitsgebots werden zunehmen und am Ende müssen wir Brauer entscheiden wie sich der Markt entwickelt.  Am liebsten wäre mir, wenn wir eine gesunde Mischung von allem hätten.  Es geht ja um die Vielfalt, das sollen wir nicht vergessen.

Word-RAP:

  • Braukunst- oder Brauwissenschaft? Was ist es eher? Die Mischung macht’s.
  • Lieblingshopfen? Cascade?  Ich liebe Hopfen, kann deswegen nicht nur einen nennen.
  • Lieblingsbiersorte? Rhetorische Frage?
  • Deine Muse? Lust und Laune
  • Obergärig oder Untergärig? Hax’n oder Schäuferl?
  • Fass, Flasche oder Dose? Nur Fass oder Flasche.
  • Das schönste Biererlebnis war… zum ersten Mal zuschauen, wie andere dein Bier in einer Kneipe bestellen und genießen.
  • Ich möchte einmal Biertrinken mit… Anthony Bourdain

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Autor
Matthias Ebner Matthias „Tissi“ Ebner

Ein gutes Bier kann einem mehr Freude und Genuss bereiten als viele andere Getränke. Kein Wein und keine Spirituose kann solch eine Bandbreite, Komplexität aber vor allem Vielfalt darbringen wie ein gepflegtes Bier. Egal ob Helles, Pils oder ein Double IPA, jeder Bierstil hat für mich seine Reize und faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Die aktuelle Kreativ-Bier-Bewegung, welche den deutschen Markt in Atem hält, freut mich als „Weihenstephaner“ Brauingenieur umso mehr. Kreativität zu wecken und zu fördern, habe ich mir zur Aufgabe gemacht und vor einigen Jahren den Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel an der TUM in Weihenstephan entwickelt. Den Studierenden es zu ermöglichen, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und sie dabei zu beraten ist wohl eine der spannendsten Aufgaben, die ich bis jetzt hatte. Menschen für das Thema Bier und Kreativität zu begeistern ist meine Passion geworden und ich hoffe, dies noch so lange wie möglich tun zu dürfen.


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