Hopfenernte 2016

Hopfenernteschätzung 2016: Ein Bericht von Florian Perschel

Die offizielle Hopfenernteschätzung 2016 in Deutschland

Hopfen ist essentieller Bestandteil des Bieres – aber wann wird Hopfen überhaupt geerntet? Und warum macht man eigentlich eine Ernteschätzung?

Wie bei vielen anderen Kulturpflanzen, gibt es keinen festen Tag im Kalender, der den Beginn der neuen Hopfenernte einläutet. Der Startschuss ist, je nach Hopfensorte und Entwicklungsstadium, jedes Jahr unterschiedlich. Grob gesagt, zieht sich die Ernte jedoch von Ende August bis Ende September. Bereits im Vorfeld ist die zu erwartende Erntemenge von großem Interesse für den Brauer, den Hopfendienstleister und die Hopfenpflanzer.

Die Historie der Hopfenernteschätzung in Deutschland geht bis auf das Jahr 1932 zurück und wurde zu dieser Zeit noch „amtliche Schätzung“ genannt (Barth-Bericht 1931/1932). Damals interessierte man sich rein für die Gesamterntemenge, da Hopfen nur auf dem Spotmarkt erworben wurde. Ein Überblick über eine mögliche Über- oder Unterversorgung (Auswirkungen auf den Marktpreis) des wichtigen Rohstoffs war daher unerlässlich.

Schlaumeiernotiz: Auf dem Spotmarkt werden Geschäfte gegen sofortige Kasse und Lieferung getätigt (=Effektivgeschäft).

_I0A9639_2Heutzutage wird Hopfen hauptsächlich über sog. Vorkontrakte oder Mehrjahreskontrakte gehandelt, die aktuell bis ins Jahr 2025 reichen können. Die Hauptfragestellung ist daher mittlerweile ob ausreichend Hopfen für die abgeschlossenen Vorverträge zur Verfügung stehen wird. Von nachgeschaltetem Interesse ist die Menge an Hopfen, die nicht unter Vertrag steht („Freihopfen“).

Schlaumeiernotiz: Vorkontrakte ermöglichen den Einkauf  von Hopfen aus zukünftigen Erntejahren.  Am Abschlusstag werden die Mengen pro Erntejahr definiert und der Preis fixiert; die Abnahme und Lieferung der Ware erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt (=Termingeschäft).

Die quantitativ immer größer werdenden Ernten machten es schwieriger, Ein- und Verkauf zu planen. Aufgrund der internationalen Erfahrung führte Joh. Barth & Sohn 1958 unter Heinrich Barth das in den USA seit langem bewährte System mehrjähriger Lieferverträge mit Festpreisen für Pflanzer und Brauereien erstmalig in Deutschland ein, um den deutschen Hopfenmarkt stabileren Verhältnissen entgegenzuführen. „Der Sinn ist, sowohl dem Erzeuger wie auch dem Verbraucher einen angemessenen Mittelpreis zu sichern.“ (Barth-Bericht 1957/1958). Weitere Details zu den Anfängen und den Gegebenheiten des Marktes um 1957/1958, findet unter:

http://www.barthhaasgroup.com/images/mediacenter/downloads/pdfs/351/hopfen1957-1958.pdf

Die Vegetationsperiode von Hopfen beginnt im April. Bereits Ende April/Anfang Mai machen sich meine Kollegen aus dem Einkauf auf wöchentlichen Begehungen der Hopfenfelder einen Eindruck über den Austrieb oder eventuellen Frostschäden des vergangenen Winters. Im späteren Verlauf des Wachstums spielt neben der Qualität und der zu erwartenden Menge, die Kontrolle über möglichen Befall von Krankheiten und Schädlingen eine große Rolle. Eine Besonderheit ist die Bewertung des Pflanzen- oder Entwicklungsstandes des Hopfens, die im Vergleich zu einem langjährigen Durchschnitt betrachtet wird.  Damit lässt sich letztendlich auch der ungefähre Erntezeitpunkt einer Sorte bestimmen.

Das Interesse nach der zu erwartende Hopfenerntemenge ist bei allen Marktbeteiligten gleichermaßen groß. Die offizielle Schätzkommission besteht daher aus drei Parteien, die sich aus Vertretern aller Marktbeteiligten zusammensetzt: Hopfenpflanzerverband, Hopfendienstleister und Brauerbund. In dieser Konstellation werden seit 1952/1953 die offiziellen Zahlen erhoben. Die sortenbezogenen Anbauflächen des jeweiligen Erntejahres müssen bekannt sein und sind Voraussetzung für das Endergebnis der offiziellen Schätzung.

Am 24./25. August 2016 wurden im Rahmen der offiziellen Ernteschätzung in der Hallertau insgesamt 90 Hopfengärten begutachtet und deren Erträge geschätzt. Von jeder Sorte sollen mindestens zwei Hopfengärten bzw. verschiedene Standorte geschätzt werden, auch wenn die Fläche sehr klein ist.

Schlaumeiernotiz: Pro 200 ha Anbaufläche und Sorte wird ein Hopfengarten geschätzt (Faustformel)

Die Mitglieder der Schätzkommission schätzen die Mengen, die in den jeweiligen „Schätzgärten“ voraussichtlich wachsen werden. Zum Schluss wird über die Anzahl der geschätzten Gärten einer Sorte der Mengen-Mittelwert gebildet und mit der Gesamtanbaufläche der Sorte im Anbaugebiet multipliziert. Für die Anbaufläche ergeben sich somit ein Durchschnittsertrag und eine Gesamtmenge. Die Systematik ist dabei in allen deutschen Anbaugebieten und bei allen Hopfensorten gleich, wenngleich sich die Flächen stark unterscheiden. Im Anbaugebiet Hallertau fiel die Mehrzahl der Schätzgärten auf die Sorte Herkules, welche die größte Fläche einnimmt. Die Zahlen der Hopfenanbauflächen im Erntejahr 2016 findet ihr unter dem nachfolgendem Link auf der Website des DHWV (Deutscher Hopfenwirtschaftsverband e.V.):_I0A8877_grün_2

http://hopfen.de/wp-content/uploads/22.06.2016-Hopfenanbauflächen-Erntejahr-2016.pdf

Für das Bundesgebiet Deutschland wurde für die Gesamtanbaufläche von 18.598 ha (Hallertau: 15.510 ha) eine Gesamterntemenge von  41.375 t (Hallertau: 35.600 t) geschätzt (Quelle: Deutscher Hopfenwirtschaftsverband e.V.). Angesichts dieser Zahlen kann man, vom heutigen Standpunkt aus, von einer überdurchschnittlichen Ernte sprechen. Unter folgendem Link findet ihr einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks zur Ernteschätzung:

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau/hopfen-ernte-experten-100.html

Im Vergleich dazu, konnten zur Ernte 2015 in Deutschland auf einer Gesamtanbaufläche von 17.855 ha (Hallertau: 14.910 ha) nur 28.337 t (Hallertau: 23.874 t)eingebracht werden. Die langanhaltende Hitzeperiode im Juli/August 2015 war verantwortlich für eine der größten Missernten seit Beginn der Aufzeichnung in Deutschland.

Schlaumeiernotiz: Aus Tradition rechnet man in der Hopfenwirtschaft häufig noch mit der alten Gewichtseinheit Zentner (1 Zentner entspricht 50 kg).

Vielen Dank für die Informationen aus den früheren Zeiten des Hopfenhandels:

Peter Hintermeier (Joh. Barth &  Sohn), Josef Grauvogl (DHWV) und Willi Kellerer (Joh. Barth & Sohn)


Autor
Pörschi1 Florian Perschel

Ich erinnere mich noch an mein erstes Bier und es war damals für mich kein Hochgenuss: Meine Geschmacksknospen waren schlicht  überfordert und wollten sich mit der ausgeprägte Bittere nicht so recht anfreunden. Das kennen vielleicht die meisten. Mittlerweile verbinde ich weitaus positivere Erfahrungen mit Bieren, vor allem mit denen die mich nachhaltig begeistern können. Bei diesen Bieren lassen sich  Konsistenz, Geschmack und Aromaausprägung nachträglich im Gedächtnis abrufen und das macht sie so unverwechselbar. Nach der Schule gab ich meiner Begeisterung für Naturwissenschaften nach und studierte Chemie. Ein Praktikum bei Augustiner Bräu öffnete mir jedoch die Augen und so traf ich eine der besten Entscheidungen meines Lebens und verschrieb mich ganz den Brauwissenschaften in Weihenstephan. Weihenstephan, Schauplatz eines der für mich schönsten Biererlebnisse: die Verkostung des ersten selbstgebrauten Bieres zusammen mit meinen Braupartnern.  Wir hatten ein IPA gebraut, dessen Zitrusaroma wir durch echte Limetten einbrachten. Reinheitsgebot, oh Schreck! Doch schnell war die Liebe zum Hopfen gefunden, lassen sich doch Aromen ungeahnter Vielfalt mit dem „Grünen Gold“ ins Bier zaubern. Über 250 Hopfensorten weltweit und jede Sorte hat ihr einzigartiges Aromaspektrum. Das war der Beginn einer wahrscheinlich immerwährenden Passion, ganz nach dem alten Hallertauer Sprichwort:

„Wen der Hopfen einmal gekratzt hat, den lässt er nicht mehr los!“

Als Sales Manager bei der BARTH-HAAS GROUP, den weltweiten Hopfenexperten, bin ich heute zuständig für Brauereien in Deutschland und Österreich. Dadurch kann ich die aktuelle Entfaltung der Biervielfalt live miterleben und meine Leidenschaft für Hopfen mit anderen – den Brauern ‒ teilen.


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