Historisches Sudhaus (Quelle: Deutscher Brauerbund)

Die Geschichte des Bieres, Teil 2: Vom europäischen Mittelalter in die Kolonien

Von den saufenden Germanen zu brauenden Mönchen

Laut Tacitus soffen die alten Germanen von morgens bis abends. Ob das stimmte, sei dahingestellt. Allerdings brauten sie mit großer Begeisterung ihr Bier, das meist aus gebranntem Getreide und Honig bestand. Dann wurde Germanien christianisiert, die ersten Klöster entstanden – und die Kirche erhielt das Recht, von allen Fürsten Abgaben verlangen zu können. Dazu gehörte auch Bier.

Offenbar waren die Fässer, die von den Fürsten an die Klöster abgegeben wurden, meist mit recht dünnem Bier gefüllt. Die Mönche begannen jedenfalls recht schnell, sich ihr eigenes Bier zu brauen. Der Grundsatz der Kirche lautete nämlich: „Liquida non frangunt ieunum – Flüssiges bricht das Fasten nicht“. Unter diesem Motto entwickelten die Mönche süffige und alkoholreiche Biere, denen sie sehr zugetan waren. Es gilt als überlieferte Tatsache, dass jeder Mönch fünf Liter Bier am Tag trinken durfte.

Klöster waren im Mittelalter die Zentren für Forschung und Wissen. Die Mönche liebten ihr Bier, und sie konnten sich außerdem noch gründlich damit beschäftigen. Ihnen kam auch die geniale Idee, neben der Gerste noch Hopfen zu verwenden. Hopfen machte das Bier bitterer, aber auch haltbarer. Es ist bis heute nicht ganz geklärt, auf welchen Weg der Hopfen überhaupt nach Deutschland kam. Das Kloster in Weihenstephan verwendete wahrscheinlich bereits 800 n. Chr. Hopfen zur Herstellung von Bier. Andere Quellen erwähnen Hopfen jedoch erst im 13. Jahrhundert. Hopfen ist eine Pflanze, die aus dem Osten nach Mitteleuropa kam. Seine ursprüngliche Heimat befindet sich im nördlichen Himalaya. Der Weg des Hopfens nach Bayern und in die Hallertau ist deshalb bis heute voller Mythen und unbeantworteter Fragen. Wahrscheinlich brachten die Wenden ihn während der Völkerwanderung im 7. oder 8. Jahrhundert aus ihrer slawischen Heimat mit.

Ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Getränk - auch für Mönche während der Fastenzeit (Quelle: DBB)
Ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Getränk – auch für Mönche während der Fastenzeit (Quelle: DBB)

Die Mönche boten ihr immer besser werdendes Bier bald zum Verkauf an und machten daraus ein florierendes Geschäft. Ein Kloster nach dem anderen erhielt damals die Schankerlaubnis. Zu den ältesten gehört das bayerische Kloster Weihenstephan, wie eine schriftliche Urkunde aus dem Jahr 1146 belegt. Im Hochmittelalter gab es im deutschen Sprachraum 500 Klosterbrauereien. Acht davon gibt es heute noch.

 

Hofbräu, Bürgerbräu, Hansa-Bräu

Im Mittelalter entstanden die ersten Städte, die abseits der Klöster ihr eigenes Bier brauten: das Bürgerbräu. Da es immer wieder Klagen über schlechtes Bier gab, wurden in den Städten erstmals auch Bierregeln aufgestellt. Als Augsburg 1156 die Stadtrechte erhielt, wurde festgelegt, dass ein „Bierschenker, der schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt“ bestraft werden soll. 1303 wurde in Nürnberg erstmals festgelegt, dass nur Gerste verwendet werden darf. Den Stadthäuptern ging es dabei nicht um die Reinheit des Bieres, sondern darum, Hungersnöte zu vermeiden. Alles andere Getreide sollte zum Backen und nicht zum Brauen verwendet werden. Ungefähr zeitgleich bekam Deutschland auch seine ersten „Hofbrauereien“, weil die Fürsten nicht länger von Städten oder Klöstern abhängig sein wollten. Sie brauten nun ihr Bier selbst und hatten später damit auch große Einnahmen.

Im Norden erlebten vor allem die Hanse-Städte ihr goldenes Zeitalter. Die Kaufmannsfamilien der Hansestädte hatten sich bereits im 12. Jahrhundert zusammengeschlossen, und in allen Städten wurde reichlich Bier produziert. In der Hansestadt Lübeck gab es im frühen 15. Jahrhundert 49 Brauereien. Hamburg hatte sogar 600 Brauereien. Sie stellten Stadtbier und spezielles Exportbier her, das in den ganzen Ostseeraum, nach England und Holland geliefert wurde. Einige Hansestädte wurden regelrechte Handelszentren für Bier. Die Hanse lieferte in ihrer Blütezeit sogar Bier aus Bayern bis nach Nordnorwegen.

Im 17. Jahrhundert schlug der Dreißigjährige Krieg eine Schneise in die Geschichte. Klöster und Städte wurden zerstört. Die alte Infrastruktur und das bisher bekannte soziale Gewebe galten nicht mehr. Selbst der Herzog von Bayern musste sich sein Bier zeitweise aus dem Norden holen. Die Bürgerbrauereien und Hofbrauereien erlebten später einen Aufschwung, während sich viele Klosterbrauereien von diesem Krieg nie wieder erholten. Auch die Blütezeit der Hanse endete langsam, obwohl die Hanse noch bis ins 18. Jahrhundert existierte und am Ende sogar Bier bis ins ferne Indien frachtete.

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