Die Geschichte des Bieres, Teil 1: Das Altertum

Das Bier – wie alles begann

Am Anfang war das Bier! Forscher gehen heute sogar davon aus, dass das Bier die Menschen sesshaft gemacht hat. Die Sesshaftigkeit des Steinzeitmenschen begann vor ca. 10.000 Jahren. Bis dahin war er als Jäger und Sammler unterwegs gewesen und hatte sich in Höhlen die passende Bleibe für die Nacht gesucht. Aber dann passierte etwas. Es kam zu einer Umwandlung, die so tiefgreifend war, dass sie in der Wissenschaft als „neolithische Revolution“ bezeichnet wird.

Der Mensch zog nicht länger von Höhle zu Höhle. Er suchte sich ein Plätzchen Erde, baute sich eine Hütte und begann, Korn anzubauen. Lange Zeit dachte man, der Mensch habe Korn und Getreide angebaut, weil er daraus Brot backen wollte. Heute geht man davon aus, dass das Backen – bei dem das Getreide ja zuerst auch noch gemahlen werden muss – ein so komplexer Vorgang ist, dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich erst später entwickelt wurde. Bevor der Mensch backen konnte, nahm er das Getreide – und braute Bier! Vermutlich kam es per Zufall zu dieser Erkenntnis. Getreidekörner lagen wohl in etwas Wasser, die Sonne schien, die Temperatur des Wassers stieg, das Getreide keimte. Wenn dann der Gärprozess einsetzte, entstand die primitivste Art des Biers: ein vergorener und alkoholreicher Getreidesaft.

Wissenschaftler können darüber streiten, was zuerst da war: das Brot oder das Bier. Als Anfang der Bronzezeit die ersten richtigen Siedlungen entstanden, hatte der Mensch schließlich beides gelernt: Backen und Brauen.

 

Das Bier der Sumerer

Die ersten Siedlungen der Bronzezeit entstanden in einer Gegend, die heute als „fruchtbarer Halbmond“ bezeichnet wird. Sie beginnt im Westen im heutigen Nord-Ägypten und erstreckt sich entlang des nördlichen Endes der arabischen Halbinsel bis fast hinauf zum Schwarzen Meer. Zwischen Euphrat und Tigris – in Mesopotamien – bauten die Sumerer hier vor ca. 10.000 Jahren die ersten Städte der Erde. Sie liebten Bier, und heute weiß man, dass die Sumerer mindestens neun verschiedene Biersorten kannten. 1800 v. Chr. verfassten sie ein Lobeslied auf das Bier, das sie ihrer Göttin Ninkasi widmeten: „Du bist es, die das Malz in einem Krug aufquellen lässt, die Wogen steigen, die Wogen fallen.“

Sumerische Biertrinker mit Saugrohren, ca. 3.000 v. Chr. (Quelle: Vorderasiatisches Museum Berlin)
Sumerische Biertrinker mit Saugrohren, ca. 3.000 v. Chr. (Quelle: Vorderasiatisches Museum Berlin)

Der älteste schriftliche Beweis für Braukunst stammt aus der mesopotamischen Stadt Uruk. Die Sumerer hatten auf kleinen Tontäfelchen wichtige wirtschaftliche Zahlen festgehalten. Wissenschaftler konnten anhand dieser Zahlen errechnen, wieviel Gerste und Malz die Sumerer ca. 3000 v. Chr. für eine bestimmte Menge von Bier benötigten. Sie backten erst aus dem vergorenem Getreide eine Art Brot, vermengten es dann mit Kräutern und setzten es mit Wasser zu Bier an. Dazu kochten sie die Masse in großen Töpfen.

Der Brauereitechnologe Martin Zanrkow von der Technischen Universität München hat mithilfe der recht ausführlichen Bierhymne an die Göttin Ninkasi und mithilfe der faktenreichen Tontäfelchen-Zahlen versucht, das antike Bier nachzubrauen. Allerdings waren die Angaben dann doch zu ungenau, um ein befriedigendes Ergebnis zu erhalten. Man weiß heute jedoch mit Sicherheit, dass die Sumerer das gegorene Getreide in der Sonne trocknen ließen und ihr Bier aus Gerste und Emmer – einer Weizenart – herstellten.

Schon vor rund 6000 Jahren stellten die Sumerer die Bierbereitung dar. (Quelle: DBB)
Schon vor rund 6000 Jahren stellten die Sumerer die Bierbereitung dar. (Quelle: DBB)
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