Akademiehof Weihenstephan (Heliocolorkarte von Ottmar Zieher, München)

Die ersten Brauprofessoren in Weihenstephan: Schönleitner und Lintner

Carl Lintner als Dozent für Brauerei-Technologie

Dr. Carl Lintner (3. Februar 1828 – 14. Januar 1900) – führte Mitte des 19. Jh. den Technologiekurs für Brauerei, Brennerei, Molkerei und Rübenzuckerfabrikation in Weihenstephan ein. 1865 wurde der erste „Brauer-Cursus“ gehalten, der als Keimzelle der heute in Weihenstephan ansässigen Studienfakultät Brau- und Lebensmitteltechnologie der TU München gilt. Gelehrt wurden vor 150 Jahren ähnlich wie heute: Grundlagen in Mathematik, Chemie, Zeichnen, Baukunde, Maschinenkunde und Brauerei-Technologie. Buchführung und Volkswirtschaftslehre waren ebenfalls Bestandteil des Studiums. Gemeinsam mit den Studenten absolvierten Landwirte einen Vorkurs. Inhalte waren allgemeine und spezielle Chemie neben Technologie. In diesen Bereichen wurde vertieftes Wissen erworben. Die Studienzulassungsbeschränkungen waren eine „entsprechende Schulbildung“ und eine praktische Lehre von mindestens zwei Jahren. Nach einem Semester Studienzeit, einer schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfung wurde an sieben Absolventen 1866 das Brauerei-Diplom vergeben. 1895 wurde die Musterschule in den Rang einer Akademie (Königlich Bayerische Akademie für Landwirtschaft und Brauereien) erhoben. Hiermit stiegen die Zulassungsvoraussetzungen auf Mittlere Reife und einer vierjährigen praktischen Tätigkeit vor Studienbeginn. Lintner gründete die „Wissenschaftliche Station für Brauerei“ in München als Versuchsanstalt. Ein von ihm veröffentlichtes Lehrwerk ist „Lehrbuch der Bierbrauerei. Nach dem heutigen Standpunkte der Theorie und Praxis unter Mitwirkung der angesehensten Theoretiker und Praktiker“, Braunschweig 1878.

Dr. Carl Lintner (Quelle: TU München)
Dr. Carl Lintner (Quelle: TU München)

Auch die Absolventen von Prof. Lintner trugen die Ergebnisse der Grundlagenforschung aus Weihenstephan in die betriebliche Praxis. Neu erworbene technische Entwicklungen und Kompetenzen konnten „draußen“ vor Ort umgesetzt werden. Auch Mitte des 19. Jh verfügten die Brauer neben den Bäckern, Metzgern und Wirten über relativ hohes Einkommen. Bekannt ist auch aus Märchen neben historischen Quellen, dass andere Handwerksberufe wie Schneider, Schuster oder Schneider oftmals mit Müh und Not ihre Existenz sichern konnten. Für Bayern im 19. Jh. ist eine große Anzahl an Brauereien belegt. Sicherlich ist von den Absolventen aus Weihenstephan auch Innovation in das Brauhandwerk gelangt. Neben familiär geführten Betrieben gab es in München, Nürnberg und an anderen Orten Großbrauereien, die die technischen Neuerungen der maschinellen Kältetechnik Carl von Lindes für Erzeugung und Lagerung des Bieres nutzen konnten. Nicht nur Studenten aus Bayern waren in Weihenstephan vertreten. Weihenstephan hatte bald einen überregionalen Ruf und bildete auch Studenten aus, die nicht aus Bayern kamen.

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