Die erste Forscher-Generation in Weihenstephan: Leberle, Schnegg, Ganzenmüller

Prof. Hans Schnegg

Neben Prof. Ganzenmüller zählt Hans Schnegg zu den wichtigsten Professoren, die zu Beginn des Jahrhunderts in Weihenstephan tätig waren. Die berufliche Laufbahn von Hans Schnegg begann im Jahr 1902 als Laborassistent in Weihenstephan. Bereits zwei Jahre später wurde er Leiter des Labors für Mikroskopie und Gärungsphysiologie. Aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten wurde er 1933 zum Professor an der „Brautechnischen Abteilung der Akademie für Landwirtschaft und Brauwesen“ in Weihenstephan. Prof. Johannes Schnegg spezialisierte sich bei seinen Forschungen auf die Hefereinzucht und auf das Brauereiwesen. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit zum Brauereiwesen hat sich Prof. Schnegg intensiv mit der Lebensmittelhygiene beschäftigt. Im Fokus seiner Forschung standen insbesondere die Desinfektionstechnik im Brauereibetrieb und die damit verbundene Verhinderung der Schimmelpilzbildung. Prof. Schnegg entwickelte spezielle Verfahren zur mikrobiologischer Kontrolle der Pilzausbreitung und forschte über entsprechende Desinfektionstechniken. Schnegg leistete damit Pionierarbeit, die das Brauverfahren wesentlich sicherer machen. Da die rasche Ausbreitung von schädlichen Miokrobakterien ein Problem bei der Bierherstellung darstellte, insbesondere bei der Abfüllung, entwickelte er spezielle Filtersysteme, die nicht nur bei Weihenstephan zum Standard wurden, sondern weltweit eingesetzt werden.
Von den Pilzen war Prof. Schnegg auch in seiner Freizeit „angetan“. Als hervorragender Kenner der Materie war er leidenschaftlicher Pilzsammler und Vorstandsmitlied des Vereins der Pilzfreunde. Aus seiner Feder stammen populäre Speise- und Giftpilzbücher wie „Die eßbaren Pilze und deren Bedeutung für unsere Volkswirtschaft und als Nahrungsmittel“. Ihm zu Ehren wurden zwei Pilzarten benannt wie der „Penicillium schneggii“ und der „Willia schneggii“. Für seine Verdienste um die Braukunst verlieh ihm die Stadt Freising die Ehrenbürgerwürde.

 

Prof. Hans Leberle

Zum Bild der herausragenden Köpfe, die vor 100 Jahren in Weihenstephan gewirkt haben, zählt Prof. Leberle. Hans Leberle wurde 1878 in München geboren und zählt zu den bedeutendsten deutschen Brauwissenschaftlern. Leberle war während seiner gesamten beruflichen Laufbahn für Weihenstephan tätig, die er imJahr 1909 als Leiter der „Versuchs- und Lehrbrauerei der Akademie Weihenstephan“ begann. 1918 wurde er auf den Lehrstuhl der Akademie berufen, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1949 inne hatte. Neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten wie der „Abriß der Bierbrauerei“ und „Die pneumatische Mälzerei“, die er in den 30er Jahren publizierte, setzte Prof. Leberle die mikrobiologische Forschung der Pilzausbreitung von Prof. Schnegg fort. Er optimierte das Desinfektionsverfahren, das als „Weihenstephan-Technologie“ weltbekannt wurde.

Würzepraktikum mit Prof. Leberle, 1933 (Quelle:  TU München)
Würzepraktikum mit Prof. Leberle, 1933 (Quelle: TU München)

Der Biergemeinschaft ist er jedoch durch sein Verfahren zum Brauen des „Champagner-Weizens“ in Erinnerung geblieben, das er im Jahr 1927 publik machte. Damit ist es ihm gelungen, das Bierrepertoire um eine besondere Sorte zu bereichern. Bei der Herstellung des Champagner-Bieres wird das obergärige Weizenbier nach der Gärung durch Filtration von der Hefe und anderen Schwebstoffen befreit. Es ist daher weniger vollmundig als das normale Hefeweizen, aber durch seine Spritzigkeit gerade im Sommer das perfekte Getränk für eine gesellige Biergartenrunde. Das Verfahren wurde 1924 von dem Braumeister Wilhelm Zeitler in der Edelweißbrauerei Oskar Farny in Kißlegg angewandt. Als Zeitler die Herren Professoren der Versuchsanstalt Weihenstephan mit dem neuen Weizenbier verköstige, waren diese mehr als begeistert: „Es moussiert wie Champagner …!“ Das klare und spritzige Kristallweizen erhielt den Namen Champagnerweizen, bis dieser Begriff aufgrund von EU-Richtlinien zum Schutz des französischen Schaumweines im kommerziellen Bereich verboten wurde. Prof. Leberle hat Standards im Bereich der Brauereitechnik gesetzt und sich damit auch international einen hervorragenden Ruf erworben.
Prof. Leberle war nicht nur als Brauwissenschaftler ein Gipfelstürmer. Als Mitglied des Alpenvereins und als einer der besten Bergsteiger im Raum München, erkundete er die Alpen im Karwendel, im Wetterstein und im Allgäu, wobei ihm viele Erstbesteigungen gelangen. Um die Jahrhundertwende publizierte er einen Aufsatz über das Wettersteingebirge und verfasste den „Führer durch das Wettersteingebirge“, der als „Der Leberle“ in den regionalen Sprachgebrauch einging.

Die Professoren Leberle, Ganzenmüller und Schnegg haben sich mit ihrer Forschung rund um das Bier nicht nur große Verdienste in der Braukunst erworben, sondern auch um den Standort Weihenstephan als international führende Forschungsanstalt. Im Gedenken an ihre Arbeit hat ihnen die Stadt Freising ein Denkmal gesetzt und Straßen nach diesen Braumeistern benannt.

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Autor
Profilfoto Mervin Dominick

Ich habe Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert und promoviere zur Zeit im Fach Geschichte. Ich bin als Dozent und freier Autor tätig und erstelle Lernmaterialen für Fernstudiengänge und Texte im Marketingbereich.


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