Angloamerikanische Bierstile, Teil 1

Ales, Pale Ales und India Pale Ales

Die wohl bekanntesten Vertreter der Craftbier Bewegung, das Pale Ale und India Pale Ale (kurz IPA) haben beide ihren Ursprung in England. Das Pale Ale entstand bereits im frühen 18. Jahrhundert. Bis dato wurden in England nur dunklere Biere gebraut, ehe innovative Mälzungsmethoden, allen voran die indirekte Röstung von Malzen, die Herstellung hellerer Malze ermöglichte. Diese Malze wiederum ließen das Brauen hellerer Biere zu, die aufgrund der namengebenden goldgelben bis hellbraunen Farbe „Pale Ales“; zu Deutsch: „helles Bier“, genannt wurden. Das Wort „Ale“ beschreibt dabei lediglich, dass jene Biere mit einer obergärigen Hefe hergestellt werden.

Ab dem 14. Jahrhundert, nachdem Hopfen vom europäischen Festland erstmals auf die Insel gelang und dort zum Brauen genutzt wurde, wurden „ales“ zudem als Biere bezeichnet, welche ohne Hopfen gebraut wurden, das Gegenstück „beer“ wurde mit Hopfen gebraut. Diese Bezeichnung wurde im Laufe der Jahre allerdings überholt und so werden bereits seit einigen Jahrhunderten „Ales“ ebenfalls mit Hopfen gebraut. Das heutige Pendant zum „Ale“ ist das mit untergäriger Hefe hergestellte „Lager“.
Das IPA entstand etwas später als das Pale Ale und wurde während der Kolonialzeit der Briten in Indien zwischen 1858 und 1947 erstmals in großen Mengen produziert, um die eigenen Truppen in Übersee mit heimischen Bieren zu versorgen. Aufgrund der langen Seefahrten zu den Kolonien, die mehrere Monate in Anspruch nahmen, bedurfte es einer Anpassung des Bieres. Es wurde durch eine erhöhte Zugabe an Hopfen, welcher nachweislich antimikrobiell wirkt, und mittels eines erhöhten Alkoholgehaltes länger haltbar gemacht. Ob dieser Bedarf an länger haltbarem Bier auch der wahre Grund für die Entstehung des IPA ist oder ob es diesen Stil unter anderem Namen so vielleicht schon früher gab, ist derzeit umstritten. Sicher ist jedoch, dass sich dieser Stil bereits damals großer Beliebtheit erfreute. Besonders nach der Verlagerung der Produktion von London nach Burton-on-Trent erfuhr dieser Stil einen enormen Schub, da die in Burton-on-Trent gebraute Kopie des Londoner IPA besser schmeckte als das Original. Heutzutage weiß man, dass dies an der besonderen Zusammensetzung des dort vorhandenen Wassers liegt.
Nach und nach wurden die Ales allerdings durch die vermehrt aufkommenden Lagerbiere ersetzt. Einen großen Anteil daran hatte die Verdrängung von Gasthausbrauereien und das Wachstum großer industrieller Brauereien, welche sich auf Standardisierung und größtmöglichen Absatz konzentrierten. Und so dauerte es eine ganze Weile bis in die 70er des 20. Jahrhunderts ehe Craft Brauer in Kalifornien den Stil wiederentdeckten und ihm neues Lieben einhauchten. Von den USA wiederum gelangten Pale Ale und IPA wieder in das Bewusstsein einiger britischer Brauereien und auch in Deutschland verschreiben sich immer mehr Brauereien diesen Stilen. Heutzutage erfreuen sich Pale Ale und IPA sowohl bei Szenekundigen als auch bei Einsteigern der Craftbier Bewegung größter Beliebtheit.
Mit seinen fruchtigen und Citrus-artigen Aromen und seiner wuchtigen Bittere bieten diese beiden Sorten ein aufregendes Geschmackserlebnis und stehen wie keine anderen Stile für die Vielfältigkeit und Wertigkeit von mit Hingabe gebrauten Bieren. Pale Ales und IPAs werden außerdem neben Aroma und Farbe auch durch einen cremigen weißen Schaum gekennzeichnet. Der Alkoholgehalt bei Pale Ales liegt, bei einem Stammwürzegehalt von 10-13,8° Plato, zwischen 4,5 und 5,4 Vol.-%. Mit 30-50 Bittereinheiten ist dieser Stil zudem nicht ganz so bitter wie das IPA mit 40-70 Bittereinheiten. Zudem weisen das IPA einen höheren Stammwürzegehalt von 11,4 – 18,2° Plato und einem dementsprechend höheren Alkoholgehalt zwischen 4,5 bis 7,6 Vol.-% auf.
Bei IPAs unterscheidet man oftmals noch zwischen West Coast und East Coast IPAs. Während bei East Coast IPAs ein erhöhter Wert auf die volle Bandbreite der fruchtigen Aromata des Hopfens gelegt wird, werden West Coast IPAs zusätzlich von einer starken, begleitenden Bittere untermalt.

Zudem werden den Begriffen IPA und Pale Ale gelegentlich die Worte „Session“ oder „Imperial“ vorangestellt. Diese weisen auf einen erhöhten („Imperial“) oder verminderten („session“) Alkoholgehalt eines Bieres hin, so gibt es beispielsweise Imperial IPAs mit 10 Vol.-% Alkohol und Session Pale Ales mit 3 Vol.-% Alkohol. Nachstehend seien einige Vertreter dieser Varianten erwähnt.
Das Detox Session IPA von Crew Republic ist zum Beispiel, mit lediglich 3,4 Vol.-% Alkohol ein Beispiel für ein Session IPA. Das 7:45 Escalation, ebenfalls von Crew Republic steht an dieser Stelle hingegen mit 8,3 Vol.% Alkohol stellvertretend für ein Imperial IPA.
Brooklyn East IPA von Brooklyn Brewery ist, wie der Name bereits vermuten lässt, ein typisches East IPA. Dem gegenüber steht unter Anderem das Go West! IPA von Anchor als klassischer Vertreter eines West Coast IPA.
Und auch das klassische Pale Ale kommt mit dem Eden von Yankee & Kraut nicht zu kurz. All diese Biere stehen selbstverständlich zum Bestellen und Genießen in unserem Shop zur Verfügung.


Autor
DSC06292 Luca Reichwald

Bevor ich vor ca. 3 Jahren das erste Mal den Kontakt zu Craftbier geknüpft habe, war mir Bier nicht als Genussmittel bekannt. Ich beschloss Brauwesen zu studieren aufgrund der gesellschaftlichen Atmosphäre, die die Bierbranche auch heute in Zeiten der Globalisierung noch hegt. Zudem reizte mich die Verbundenheit zu Tradition und Qualität, die trotz des technischen Fortschritts immer noch gewahrt wird.
Die immense Geschmacksvielfalt, die Bier aufweisen kann war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht geläufig. Das erste Craftbier was ich probierte, ein IPA, war daher für mich so etwas wie eine Offenbarung. Seitdem bin ich immer gespannt darauf Neues zu probieren, denn das Potential neuer Sorten ist noch lange nicht ausgeschöpft. Zudem freue ich mich darauf meine Begeisterung mit unseren Kunden teilen zu dürfen und so vielleicht auch den Einen oder Anderen, ähnlich wie bei mir, zu erleuchten.
Zu dem Wahren von Tradition ist bei mir übrigens das Wiederaufleben von Tradition als Motivation hinzugekommen. Denn die meisten der bekanntesten Craftbier Stile sind vor einigen hundert Jahren teilweise verschwunden und wurden dank der neuen Bierbewegung wiederentdeckt.


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