„Vitus“ von der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan: Heilige Bananenbombe namens Vitus

Eine heilige Bananenbombe namens Vitus

Oberhalb von Freising, auf einem heiligen Berg, thront die älteste Brauerei der Welt: Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan. Im Jahre 725 gründete der heilige Korbinian mit zwölf Gefährten dort ein Benediktinerkloster. Und da wo ein Kloster stand, wurde seit jeher auch Bier gebraut.
Ganz so einfach war das damals aber nicht. Die Weihenstephaner Mönche erlebten turbulente Zeiten: 955 zerstörten die Ungarn die Braustätte, dann im Dreißigjährigen Krieg die Schweden und die Franzosen sowie die Österreicher im Spanischen Erbfolgekrieg. Das war aber noch nicht alles: Zwischen 1085 und 1463 brannte das Kloster noch viermal vollständig ab. Da kann man nur staunen, dass die Diener Gottes das Kloster und die Brauerei immer wieder neu aufbauten und weiterhin die Bierfässer rollten. Müssen wohl besonders trinkfreudige Ordensbrüder gewesen sein, diese Benediktiner.
Heute zählt die Staatsbrauerei in Freising zu den wohl modernsten Braustätten der Welt. Und ein bayerisches Bier lieben Genießer rund um den Globus besonders. In England etwa wurde der kräftige Weizenbock namens „Vitus“ mit 7,7 Prozent Alkohol und einer Stammwürze von 16,5 Prozent im Jahr 2011 zum besten Bier der Welt gewählt. Auch bei einem Wettbewerb in Australien gewann das Weihenstephaner Bier eine Goldmedaille.
Im Glas leuchtet der Bock goldgelb, gekrönt mit schneeweißen cremigen Schaum. Im Duft hält sich das Aroma noch dezent zurück. Allerdings sprühen fruchtige Noten von Banane und getrockneter Aprikose sowie eine dezente Nelken-Würze. Am Gaumen aber entfaltet sich der Vitus in voller Pracht: moussierend vollmundig, mit einer gewissen Spritzigkeit und Frische. Auf der Zunge explodiert eine hefige Bananenbombe, die neben Gewürzen auch von einem süßlichen Malzcharakter, sowie etwas Zitrus und überreifer Aprikose begleitet wird. Trotz kräftigem Alkoholgehalt, den man schon nach einigen Schlucken spürt, ist der Weizenbock sehr gut trinkbar. Im Finish klingt eine dezente Hopfenbittere an.
Die Brauer von Weihenstephan erreichten bei dem Bier mit der frommen Namensgebung eine äußerst harmonische Kombination aus Süße, Säure und Würze. Vitus zählt nicht umsonst zu den besten Weizenböcken rund um den Globus.

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Autor
Mareike Hasenbeck (Foto: Elena Hasenbeck) Mareike Hasenbeck

Früher habe ich mich nie so richtig für Bier begeistern können. Und das, obwohl ich im bayerischen Bierdorf Aying aufgewachsen bin – mit Blick auf die alte Brauerei, in der seit 130 Jahren traditionelle Spezialitätenbiere gebraut werden. Doch erst der Genuss eines modernen India Pale Ale aus einer amerikanischen Craft-Brewery – mit all seinen subtilen Aromen und dem virtuosen Zusammenspiel diverser Hopfensorten – hat mich wirklich für das Thema Bier fasziniert. Inzwischen betreibe ich mein Portal feinerhopfen.com seit mehr als drei Jahren und war damit eine der ersten Bloggerinnen, die sich der jungen Craft-Bierbranche widmeten.

Mein Name ist Mareike Hasenbeck, ich bin 30 Jahre alt, lebe in München, wurde beim Nachrichtenmagazin FOCUS ausgebildet und arbeite als freie Journalistin für Medien wie FOCUS, Playboy und Lust auf Genuss. Außerdem schreibe ich Beiträge, Kommentare und Kolumnen für das CRAFT-Magazin und Zeitschriften wie „Echt Bayern“, Freundin, und zahlreiche andere Medien, darunter auch die Huffington Post. Meine Themen drehen sich um alle Formen des Lifestyles mit dem speziellen Ansatz von Genuss.

Was meine Begeisterung für Craft-Bier betrifft, so bin ich weder Sommelière noch Diplombraumeisterin oder Getränkewissenschaftlerin. Ursprünglich habe ich mal an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Nordische Philologie, Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Germanistische Linguistik mit Magister-Abschluss studiert. Zum Bier habe ich also eher einen kulturellen Bezug und betrachte kreative Hopfensäfte vielmehr aus der Sicht einer genussfreudigen Konsumentin. Denn gutes Essen und spannende Drinks schätze ich allerdings schon seit frühster Kindheit – früher allerdings ohne Alkohol!