Mareike Hasenbeck

„Dolden Dark“ vom Riedenburger Brauhaus

Eine Biertest von Mareike Hasenbeck

Das Brauhaus Riedenburg im idyllischen Altmühltal zählt zu meinen Lieblingsbraustätten in Niederbayern. Traditionelle Braukunst wird dort seit mehr als 100 Jahren gepflegt. Intention der Familie Krieger: Regionale Biergenießer mit außergewöhnlichen Geschmack zu verwöhnen. Außerdem haben sich die Bayern die Themen Ökologie und Ökonomie auf ihre Fahnen geschrieben. Das Brauwasser stammt aus dem hauseigenen Brunnen und muss laut den Kriegers nicht irgendwelche chemischen Prozesse durchlaufen. Getreide, darunter auch Ursorten wie Emmer oder Dinkel, liefern Bio-Bauern aus der Gegend. Und auch die Hopfengärten der Hallertau sind nicht weit entfernt.

Aber neben der Pflege traditioneller Biere wird seit dem Run der Craft-Szene auch mit modernen Suden experimentiert. Maximilian Krieger gilt inzwischen bayernweit als kreativer Impulsgeber. Schließlich sammelte der Braumeister drei Jahre lang Erfahrungen in Italien, reiste quer durch den internationalen Bierkosmos und entwickelte sogar gemeinsam mit der renommierten Brooklyn Brewery aus New York ein spektakuläres Double IPA. Heute soll es aber um sein 6,9-prozentiges Porter namens „Dolden Dark“ gehen, das mit historischen Emmer-Getreide und gerösteter Sommergerste gebraut ist.

DoldenDark2
„Dolden Dark“ von Riedenburger

Aussehen: Das Etikett ist mit der wilden Typografie vielleicht ein wenig überlagert. Aber immerhin sind viele wichtige Informationen aufgeführt, die andere Brauereien gerne auf der Flasche vergessen. Langsam gieße ich das Porter ins Degustationsglas. Schwarz wie frischer Teer steht es darin, getoppt von einer sahnigen Krone, die an den Espresso-Schaum erinnert.

Geruch & Geschmack: Nachdem die Optik so appetitlich anspricht, schauen wir mal, ob auch das Gesamtbild des „Dolden Darks“ stimmt. In die Nase strömen jedenfalls schon mal sehr angenehme Noten von eingemachten Kirschen, Zartbitterschokolade und röstfrischem Kaffee. Das macht richtig Lust  auf den ersten Schluck. Im Antrunk läuft das Porter samtig-weich und karamellsüß über die Zunge. Am Gaumen wirkt das „Dolden Dark“  nicht so schwer wie erwartet, trotz des eher schweren Körpers, kommt es erfrischend rüber. Hier entfalten sich dann röstige Aromen, die sich mit dem Geschmack von Zartbitterschokolade und frischgebrühtem Filterkaffee vereinen. Dazu kommt noch ein Kick von feinherbem Kakao und ein Hauch von roten Beeren. Ein wenig ist auch die Hopfenwürze wahrzunehmen. Im Finish zeigt sich die Malzkombination noch einmal in vollen Zügen. Espresso- und Kakaonoten verabschieden sich mit 28 Bittereinheiten – aber die Kombination ist keinesfalls zu aufdringlich, sondern besticht mit einer gewissen Zartheit. „Dolden Dark“ ist ein gut trinkbares Porter, dass gerade auch durch seine Fruchtkomponenten und einem abgebremsten Alkoholgehalt zurückhaltender als erwartet daherkommt. Man sollte dieses Porter bei rund zehn Grad trinken, erst dann entfalten sich die wunderbaren Aromen noch typischer.Riedenburger-Doldendark

Hintergrund: Wir haben hier ein Porter im Glas, einen ursprünglich englischen Bierstil mit langer Geschichte. Angeblich wurden im 18. Jahrhundert auf der britischen Insel herkömmliche Lager aus Kostengründen mit Ales vermischt. Die Beliebtheit wuchs, vor allem bei den Hafenarbeitern. Ihr Job war es,  in den Häfen eintreffende Schiffe zu entladen – daher auch der Name „Porter“ (übersetzt: tragen). Später entstand aus den jeweiligen Eigenschaften der beiden Bierstile ein Trunk, der irgendwann von Stout verdrängt aus der Mode kam, aber inzwischen von vielen Craft-Brauereien neu entdeckt wurde. Heutzutage gibt es Porter übrigens wieder rund um den Globus in den unterschiedlichsten Variationen.

 

Bierhandwerk-Werbung-Shop2


Autor
Mareike Hasenbeck (Foto: Elena Hasenbeck) Mareike Hasenbeck

Früher habe ich mich nie so richtig für Bier begeistern können. Und das, obwohl ich im bayerischen Bierdorf Aying aufgewachsen bin – mit Blick auf die alte Brauerei, in der seit 130 Jahren traditionelle Spezialitätenbiere gebraut werden. Doch erst der Genuss eines modernen India Pale Ale aus einer amerikanischen Craft-Brewery – mit all seinen subtilen Aromen und dem virtuosen Zusammenspiel diverser Hopfensorten – hat mich wirklich für das Thema Bier fasziniert. Inzwischen betreibe ich mein Portal feinerhopfen.com seit mehr als drei Jahren und war damit eine der ersten Bloggerinnen, die sich der jungen Craft-Bierbranche widmeten.

Mein Name ist Mareike Hasenbeck, ich bin 30 Jahre alt, lebe in München, wurde beim Nachrichtenmagazin FOCUS ausgebildet und arbeite als freie Journalistin für Medien wie FOCUS, Playboy und Lust auf Genuss. Außerdem schreibe ich Beiträge, Kommentare und Kolumnen für das CRAFT-Magazin und Zeitschriften wie „Echt Bayern“, Freundin, und zahlreiche andere Medien, darunter auch die Huffington Post. Meine Themen drehen sich um alle Formen des Lifestyles mit dem speziellen Ansatz von Genuss.

Was meine Begeisterung für Craft-Bier betrifft, so bin ich weder Sommelière noch Diplombraumeisterin oder Getränkewissenschaftlerin. Ursprünglich habe ich mal an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Nordische Philologie, Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Germanistische Linguistik mit Magister-Abschluss studiert. Zum Bier habe ich also eher einen kulturellen Bezug und betrachte kreative Hopfensäfte vielmehr aus der Sicht einer genussfreudigen Konsumentin. Denn gutes Essen und spannende Drinks schätze ich allerdings schon seit frühster Kindheit – früher allerdings ohne Alkohol!


Weiterlesen