Craftwerk Brewing: Von der Pilotschmiede zur Kreativmarke

Gerade von einem Brauriesen hätten das wohl die wenigsten Genießer erwartet: Lange Zeit nur im Massengeschäft mit süffigen Gerstensäften tätig, gehört die 1817 gegründete Bitburger Brauerei inzwischen zu den Pionieren der deutschen Kreativbierszene. Zwar bestreitet das Brauhaus aus der Eifel sein Kerngeschäft weiterhin mit Pils und Fassbrause. Doch die Leidenschaft zum Produkt führte zur Gründung von Craftwerk Brewing, einem Ableger mit ganz ungewöhnlichen Bierspezialitäten.

Wie alles begann

Lange bevor hierzulande die Ära der Kreativbiere ausgerufen wurde, laborierte ein ausgewähltes Team an einer kleinen 20-Hektoliter-Anlage. In den heiligen Pils-Hallen der Bitburger wurde bereits 1991 an neuen Maisch- und Gärverfahren gearbeitet, mit Hefen experimentiert und an ungewöhnlichen Produktneuheiten getüftelt. Getrunken wurden die neuen Sude aber vorerst nur begeistert von den eigenen Mitarbeitern auf ihren Betriebspartys. Nach dem internen Erfolg beschlossen die Bitburger dann 2013 aus der Pilot- und Versuchsbrauerei die Geburt einer eigenen Marke: Craftwerk Brewing. Die neue Bitburger-Unit vermarktete anfangs lediglich drei Produkte – ein Pale Ale, ein India Pale Ale und ein belgisches Tripel. Diese kamen gleich zum Start ziemlich gut bei den Verbrauchern an. Stefan Hanke, Chef-Braumeister von Craftwerk, sieht seitdem in seiner Kreativwerkstatt eine Keimzelle für spannende Neuheiten und individuelle Bierkreationen: „Wir leisten über unsere wissenschaftlichen Arbeiten auch einen Beitrag für die gesamte Braubranche.“

Der Hopfenzauberer

Stefan Hanke entwickelt nicht nur die Ideen, er gilt auch als das Gesicht der Marke. Und dass, obwohl sich der Rheinland-Pfälzer früher kaum für Bier interessierte. Seine Neugier lag eher im Bereich der Naturwissenschaften. Erst spät entschloss er sich zum Brauer. Um ganz sicher zu gehen, dass seine Entscheidung richtig ist, schnupperte Hanke während drei Praktika erst einmal in verschiedene Brauereien hinein. Danach war alles klar: Brauwesen studieren – und zwar in Weihenstephan. Nach der Uni arbeitete der heute 36-Jährige in der Forschungsbrauerei der TU bei München und promovierte dort auch. Seine Experimentierfreude wuchs also schon während der Uni. Impulsgeber war für Hanke schon immer Prof. Dr. Ludwig Narziss mit seiner Aufgeschlossenheit zu Neuem. „Die Gespräche mit ihm haben mich bis heute inspiriert“, bekräftigt Hanke.

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Mastermind von Craftwerk: Dr.-Ing. Stefan Hanke (Foto: Craftwerk Brewing)

Das Projekt und die Biere

Kreativität und Liebe zum Detail haben den Braumeister bis jetzt nicht losgelassen. Regelmäßig bringt er mit Craftwerk Brewing neue Sorten auf den Markt. Gern probiert Stefan Hanke dafür auch Hopfen-Zuchtstämme aus, die noch nicht mal einen Namen, sondern nur eine Nummer tragen. Insgesamt führt die Bitburger Kreativmarke jetzt sieben Produkte im Regal. Zu den ersten drei erfolgreichen Vorreitern kam beispielsweise noch ein Session Lager namens „Mad Callista“ dazu, das mit der ganz neuen Hopfensorte Callista aromatisiert ist und trotz schlanken 3,9 Prozent Alkohol eine wahre Geschmacksbombe an den Gaumen katapultiert. Die Palette ergänzen außerdem ein „Westcoast Style IPA“ mit Nuancen von frisch aufgeschnittenen Limetten und blumigen Gartenkräutern mit einer herben Intensität sowie ein goldfarbenes Summer Ale namens „Skipping Stone“, das durch eine frische Fruchtnote von Holunder, Ananas und Honigmelone überzeugt. Im Sortiment einer kreativen Brauerei darf kein dunkles Bier fehlen: Das „Sweet Stout“ zeigt seine Finesse mit leichten Karamell-, Kaffee- und Schokoladennoten.

Mad Callista von Craft Werk
Das „Mad Callista“ von Craft Werk.

Und wer Stefan Hanke und sein Team kennt, der weiß, dass ihre Experimentierfreude noch lang kein Ende zeigt. Ihr Ziel ist eine noch größere Biervielfalt. Gerade erst braute Craftwerk einen transatlantischen Kollaborationssud mit der Hopworks Urban Brewery aus Portland, Oregon. Dafür kombinierte der Brautrupp deutsche und amerikanische Hopfensorten zu einem „Hop Inferno“ mit kräftigen 8,8 Umdrehungen. Die Craftbier-Szene wird es ihnen danken.

 


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Autor
Mareike Hasenbeck (Foto: Elena Hasenbeck) Mareike Hasenbeck

Früher habe ich mich nie so richtig für Bier begeistern können. Und das, obwohl ich im bayerischen Bierdorf Aying aufgewachsen bin – mit Blick auf die alte Brauerei, in der seit 130 Jahren traditionelle Spezialitätenbiere gebraut werden. Doch erst der Genuss eines modernen India Pale Ale aus einer amerikanischen Craft-Brewery – mit all seinen subtilen Aromen und dem virtuosen Zusammenspiel diverser Hopfensorten – hat mich wirklich für das Thema Bier fasziniert. Inzwischen betreibe ich mein Portal feinerhopfen.com seit mehr als drei Jahren und war damit eine der ersten Bloggerinnen, die sich der jungen Craft-Bierbranche widmeten.

Mein Name ist Mareike Hasenbeck, ich bin 30 Jahre alt, lebe in München, wurde beim Nachrichtenmagazin FOCUS ausgebildet und arbeite als freie Journalistin für Medien wie FOCUS, Playboy und Lust auf Genuss. Außerdem schreibe ich Beiträge, Kommentare und Kolumnen für das CRAFT-Magazin und Zeitschriften wie „Echt Bayern“, Freundin, und zahlreiche andere Medien, darunter auch die Huffington Post. Meine Themen drehen sich um alle Formen des Lifestyles mit dem speziellen Ansatz von Genuss.

Was meine Begeisterung für Craft-Bier betrifft, so bin ich weder Sommelière noch Diplombraumeisterin oder Getränkewissenschaftlerin. Ursprünglich habe ich mal an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Nordische Philologie, Neuere Deutsche Literatur, Theaterwissenschaft und Germanistische Linguistik mit Magister-Abschluss studiert. Zum Bier habe ich also eher einen kulturellen Bezug und betrachte kreative Hopfensäfte vielmehr aus der Sicht einer genussfreudigen Konsumentin. Denn gutes Essen und spannende Drinks schätze ich allerdings schon seit frühster Kindheit – früher allerdings ohne Alkohol!


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